Thursday, February 21, 2008

KUNST ODER KOMMERZ II,a: "FALCO SYMPHONIC" - THOMAS RABITSCH & PETER PAUL SKREPEK ARRANGIEREN (SICH / NICHT)

Österreich-Anreger: Falcos einziger Live-Auftritt mit Orchester in Wiener Neustadt 1994 wurde 2008 aus semiprofessionellem Material zur Top-DVD und -CD restauriert und dann morbid beworben ... (Falco Symphonic -Fotos © Curt Themessel)


DER TUMULT UM DIE SYMPHONISCHE FALCO-LIVE-KONZERT-RESTAURIERUNG ALS DVD UND CD FALCO SYMPHONIC IST - mit Doppelplatin im Juni 2008 bei wochenlanger Chartsanführung für über 20.000 verkaufte DVDs und über 20.000 CDs - VERBLÜFFEND:
1. WEIL ES SICH BEI DER DVD TATSÄCHLICH UM EIN INSGESAMT GUT ARRANGIERTES GLANZSTÜCK VON LIEBHABERWERT HANDELT;
2. WEIL DIESES LIEBHABER-WERK ÜBER EIN SENSATIONELLES MARKETING ZUM KASSENSCHLAGER GE-HYPE-T WIRD;
3. WEIL BEIDES EIN ABBILD UNSERER KOMMERZIELLEN KUNST- UND MEDIENZEIT IST: ZWISCHEN GEFÄLLIGKEIT, NETWORKING-ZWANG, MOBBING UND AUSGRENZUNG ECHTER KÜNSTLER - WAS HÄTTE FALCO DAZU GESAGT?


Am 19.2.2008 wäre Falco (Hansi Hölzel) 51 Jahre alt geworden. Doch nicht zu seinem Geburtstag, sondern anläßlich seines zehnten Todestags ("Unfall" am 6.2.1998) sprengte eine Reihe an Künstlern mit der DVD Falco Symphonic samt CD den Markt. Sogar nach seinem Ableben verfolgt den einzigen Popstar Österreichs, was er zu Lebzeiten in all seinen selbstgefertigten Texten durchblicken ließ. Das gesellschaftskritische Mißtrauen des selbstherrlichen Falken schleicht sich als ausgleichende Gerechtigkeit in das Umsetzungmotiv seiner einstigen Mitstreiter. - Angefangen von Bandleader und -Produzent Thomas Rabitsch, der heute allen (nicht nur) Bandmitgliedern hauptsächlich zur Mitwirkung bei (künstlerisch unbefriedigenden) ORF-Casting-, Dancingshow-Begleitungen, -Arrangements und Fernseh-Jingles verhilft. - "Besser das, als gar nichts", werden sie sich sagen. Falco hätte das wahrscheinlich nicht gesagt. - Deshalb mußte dieses Projekt jetzt sein: Falco Symphonic kommt genauso dekadent daher, wie es die überhebliche, und doch eigentümliche Aura, Größe und Eleganz des stolzen Falken war. Laut ist das Marketing vom bis auf Falcos Stimme neu und diffizil aufgenommenen Livekonzert am Wiener Neustädter Dom mit 10.000 begeisterten Fans und mit Band vor mächtigem Orchester.

Während des anspruchsvollen Unterfangens einer symphonischen Falco-Hits-Orchestrierung - was einem Frank Zappa etwa trotz Lebenswunsch nie vergönnt war - ruft ein voll motivierter und damit präsenter Falco in die Menge: "Das ist ein neues Rockerlebnis!"" Einmal zeigt er sich mit ironischer Theatralität und teuflisch-schriller Stimme, sein R rollt durch Jeanny und Dance Mephisto. Doch huschen momentweise Züge der Rührung über sein Gesicht. - Er ist von echten Glücksgefühlen getragen, sagen sie. Das rührt den verwirrten Betrachter, wissend: Hier fand etwas Besonderes statt. Diese Empfindung wird durch manch feines Arrangement bei melodisch verbesserter, narrativer Orchestrierung noch erhöht, mit neu aufgenommener, virtuoser Band-Solopassage - die gedämpft-lyrische Elektrogitarre von Peter Paul Skrepek läßt einen glatt wundern, warum dieses Instrument in der Klassik nicht öfter Verwendung findet. Aber auch die raren Jazzansätze der Rabitsch-Brüder suggerieren, was eigentlich in diesen Musikern stecken könnte. Und wenn Dirigent Raoul Herget im Hintergrund Einzelinstrumentengruppen wie die Violinen in rhythmische Spannung drängt, kann der Zuschauer nur noch "staunen".

Falcos Rock-Band züchtig mit Klassikinstrumenten - die Anzüge blieben, die Instrumente nicht: denn die Band rockte live zum klassischen Hauer-Orchester, wenn auch lyrisch wie Elektrogitarrist Peter Paul Skrepek (rechts), und unter Revoluzzer-Blick von Band-Kapitän Thomas Rabitsch (ganz links)

FALCO - ALS KOMMERZREPRÄSENTANT UND KOMMERZANKLÄGER OPFER SEINER EIGENEN KUNSTFIGUR

Noch spannender zu spüren ist jedoch dieses unterschwellige Gefühl: Jene Eitelkeit des verletzlichen Stolzes, wie sie Falco erhobenen Hauptes in sich trug, während er im Gegenteil den eitlen Stolz der unsensiblen, oberflächlichen Kommerz-Neureichen verfluchte und aus sich heraus rappte. Die modesüchtigen Kaufmenschen lebten das, was er (für sich) nur spielte. Sie leben es noch. Heute leben es noch häufiger die Musiker als "wir Menschen = mit modischem Weltbild", wir, "Helden von heut´" (Falco-Textzitat). Sogar solche Musiker, die Falco angeblich verehren und nachahmen, müssen es leben, weil sie nur auf diese Weise am musikalischen Gesellschafts- und folglich an einem eigenen, materiell gesicherten Familienleben teilnehmen können.

Falcos ehemalige Bandmitglieder veranschaulichen mit ihren Biografien allzu gut, wie Querdenker in der österreichischen Szene "nur" überleben lernen. Den künstlerischen Gewissenskampf zu gewinnen, ist dagegen nachvollziehbar schwer. Falco lebte vor, wie sich bescheidene Gefühlsreinheit und hoher Sinn für Ästhetik in äußerem Glanz verpuppen, wie sich Vertrauensseligkeit in Argwohn äußert. Und er überlebte damit nicht. Denn seine doch so präsente Naivität, seine sensibel durchscheinende Sehnsucht nach Urvertrauen, Hingabe und Verantwortungsbewußtsein als Mann, wovon er in den verschlüsselten, aber innigen Liebesliedern Jeanny und Nachtflug singt, wurden ausgerechnet von jener Menschheit (v)erkannt, die er am nächsten an sich heran ließ.

- Und selbst da, in seiner Privatsphäre, läuft das ironische Kontrastspiel von Verletzung und Kommerzialität fortan immer weiter. Indem etwa seine jahrelang untergejubelte, geliebte, als nicht-von-ihm-gezeugt-bewiesene "Tochter" von ihm als "Vater" medial profitiert, sei es über Buch-Veröffentlichung, Kaffeehaus-Gründungsklatsch oder Erbschaftsgerüchte; während sich wiederum Falcos geliebte, echte Verwandtschaft (Mutter) aus jeder Tonträger-(Neu)auflage Geldanteile erbittet, wofür selbsternannte Journalistenanwälte kämpfen (die sich unter vorgehaltener Hand ebenfalls finanziell etwas ausrechnen.) - Alles geahnt, alles verflucht, und erahnt tritt das Verfluchte ein. Falco wußte das, und schoß deshalb wahrscheinlich (lieber) ein: in höchster Dekadenz, zur Feier seiner ausklingenden, ästhetisch runden Lebensmitte.

Revolution und Kritizismus gingen von Falco aus, von seiner Persönlichkeit und von seiner künstlerischen Expressivität ...


MORBIDER ANLASS FÜR EINEN MORBIDEN KÜNSTLER, UND MORBID GEHEN ÖSTERREICHS MUSIKKÜNSTLER ZUGRUND´

Der Falke hat sich großspurig, frech, mit rundem Vierziger verabschiedet, auf Ohnmachtsflug in sein automobiles Cockpit begeben, als weltabtriftender "Kapitän" der Fantasie, wovon er in mehreren Abwandlungen sang. Überließ er sich im erotischen Nachtflug hoffnungsfroh der Führung seiner "Frau Kapitän", so urteilte er über die Menschen auf der todgeweihten Titanic: "Die Titanic sinkt in Panik ganz allanig - aber fesch; mit all den Millionen Cash und all der teuren Wäsch´; Die Titanic sinkt in Panik ganz allanig - aber gut, denn wer sich retten tut, der hat zum Untergang kan Mut; Decadence for you and me, decadence." Vielleicht zog Falco es vor, (lieber) dekadent zu sterben, als sich dekadent verkaufen zu müssen.

Mit den krummen Nebenerscheinungen nach dem 40-er können sich offensichtlich nur jene arrangieren, die den Argwohn nicht als nach außen deklarierte Identität ausgesprochen haben, selbst wenn sie ihn in ihrem Inneren hegen. - Thomas Rabitschs früheres Äußeres von einem androgyn-hinterfragenden Jungrevoluzzer zeigte noch sehr viel von jenem widerständerischen Sturm-und-Dränger. Heute wirkt er indessen eher - ein Schicksal, das bekanntlich auch Goethe teilte - wie der im Musikgeschäft zufrieden Eingebettete, der sich mit den Umständen mit und wegen gut situierter Familie abgefunden hat. Ab und zu, wie bei diesem besonderen Vorhaben einer Konzert-Restaurierung oder auch bei seiner - wenn auch auf so sehr auf kommerziellen Erfolg wie im Jazz nur möglich getrimmten - Band mit Hansi Lang und Wolfgang Schlögl The Slow Club, scheint in ihm jedoch noch der Künstler-Sturkopf durch zu brechen.

Nur Falcos Bandgitarrist Peter Paul Skrepek wurde - vor und nach Falco - durch und durch zum langjährigen, aktiven Kämpfer und Verfechter für das Recht einschlägig-authentischer Musik-Künstler in Österreich. Er begegnete dabei Kollegen, die ihn stützten, anderen, die ihn stürzten. Zuletzt in der AKM, mit dem fadenscheinigen Argument, mehr Gewerkschafter und kein Komponist zu sein, obwohl er allein in Falco Symphonic neben der Hälfte aller Nummern-Arrangements für das Orchester eine Ouvertüre komponierte.
- Und Skrepeks Einzug der Helden aus dem Jahr 1994 kann sich im zeitgenössischen Kollaps-Ende der Querflöte sehen lassen, womit er nach einem tradtionell-filmmusikalischen, Streicher- und Bläser-betonten Soloklarinetten-Spannungsaufbau niveauvoll und neugierde-anheizend Robert Pongers David-Bowie-Falco-Adaption Helden von Heute mit Gitarrensolo im selbstorchestrierten Teppich einleitet, als wären die Musiker aus einem Rausch erwacht, während die musikalische Ernsthaftigkeit des Songs gerade extra als komplette Ironie den fatalen Rausch der gesellschaftlichen "Helden von heute" bloßstellt. -
Für den jahrelangen Kampf - bzw. zur Abschreckung und Einschüchterung, sich nicht wieder im Widerstand zu betätigen, denn nur mit Mundtoten läßt sich die Tendenz von heimischem Musikanteil im ORF von 27% im Jahre 1990 zu derzeitigen 4% weiter mindernd verstärken! - belohnte man den keineswegs Großverdiener Skrepek nun gerichtlich gestützt mit einer horrenden Geldstrafe, sodass man sich fragen muss, wovon die Rechtsprechung wohl ihre "objektive Meinung" ableitet?! ... So eng ist also in der Musik österreichischen Staats das Verhältnis von Selbst- und Mord.

Deshalb paßt der morbide Anlaß, den Produzent Thomas Rabitsch für die Veröffentlichung wählte, doch allerbestens. Schon weil er selbst während der Falco-Live-Konzerte so gerne die dekadente Kapitänsjacke trug. Zur Feier des mordsmäßigen Selbst im zweifachen Jahr-Zehner, 40 Falco-Jahre plus 10 Todesjahre, programmierte er den Countdown von Falcos Nachtflug in den Tod. Mit dem Begleiteffekt, dass das Fragil-Dunkle dieses himmlischen Produkt-Duos betont wird, das ansonsten verborgen bliebe, weil es auf erstes Gehör sichtlich mehr um den energetischen Sound als um den bitterkritischen (auf DVD sogar zum Teil unverständlichen) Text geht. - Selbst wenn Falco auf DVD zusätzlich live Dada-, erotische und Liebestexte liest, worin abermals Falcos verletzlich-denkende Seite zum Vorschein kommt. Dann, wenn er während der Schlußpointe in Letzte Lockerung auf die Behauptung, es schlafe sich eben doch nicht besser mit einem Denkerich, sagt: "Na, i waß neet!"...

- Das anlaßbezogene "Todesschwarz" verfärbt nun den einen oder anderen kommerziellen Effekt noch einmal ins Künstlerische. Aber die Marketingmaschinerie rundum Falco Symphonic surrt so, als befinde man sich dennoch auf dem Tagflug zur Wiedergeburt: und mit der aufwändigen, ohne digitale Errungenschaften bisher unmöglich geglaubten Restaurierung 2007, ist Falcos einziges, orchestrales Konzert 1994 tatsächlich: eine neue Geburt.

... wo auch ein teuflischer Schalk durchbrechen konnte: etwa im doppeldeutigen Jeanny oder im eindeutigeren Dance Mephisto (Foto © Rainer Hosch).


VOM FALCO-KONTRAST ZUR TV-(WERBE)ZEITENVERMARKTUNG - NICHT-KONFORME WERDEN GESTÜRZT

Die Fülle an Falco-Kontrasten pauscht von Neuem das rauschhafte Klatschwesen an: aus der Not allgemein vorherrschender Verdienstunmöglichkeit in der Musikszene, kulminieren Neidgefühle voller Spekulationen, "Ahnungen" von einem Riesengeschäft, das einige wenige nun wohl machen, sodass neue Tandiemenstreitereien um Verlags- und Verwandtschafts-Rechte losbrechen; da beschimpft ein "echer Wegbegleiter" (Manager-Selbstbezeichnung: Horst Bork) einen "unechten" (sinngemäße Bork-Bezeichnung: Hans Mahr), weil jener (Mahr) "nur kurz" Falcos Produzent gewesen sei - eine Meldung, die von Mahr selbst kommen muss, wie es von tv-media abzuleiten ist. Und da schleudert eine Dolezal-Rossacher-Formation im Schlepptau mit einer vom Falco-Marketing anscheinend ignorierten Fellner-Tageszeitung Österreich ein DORO-Falco-Konkurrenz-Video mit live-on stage-Zusammenschnitten ins Verkaufsrennen, gekrönt von einem schlechten Skandalfilmchen titels Falco - verdammt, wir leben noch, das Falco als Drogenabhängigen preist, und in keinster Weise als vielseitigen Künstler. Und schließlich macht sich die Werbeszene den Hype für reine Werbzwecke zunutze, indem sie mit "Falco" nicht einmal mehr ein Falco-Produkt bewirbt, sondern allein das Unternehmen "Mediamarkt". - Die Falco-Manie wird so lange genährt, bis jeder Fußgänger Falcos über sein wird. Und das passiert binnen schnellster Kürze.

Doch das wird die Werbe- und Medienindustrie noch lange Zeit ignorieren, so wie sie auch Starmania und Dancingstars weiter spielt, obwohl beides eigentlich schon nach der ersten Staffel zum Gähnen ist. Weil aber erst mit der Wiederholung der Werbeeffekt eintritt, sodass ein Thema so tut, als handle es sich um etwas grundsätzlich Lebensnotwendiges, wird das Ganze bis zur völligen Ausreizung in der Schleife getrommelt, um am Ende den Wert des Themas (Falco) endgültig inflationiert und damit entwertet zu haben. Falco wird verkommen wie ein Heuschreck an der Börse. - So läuft das, seit in Österreich nur noch kaufmännische Direktoren und Werbezeitenverkäufer TV-Geschäftsführer bzw. -Intendanten werden; doch selbst eine - je nach angesagtem Wind - tendenziös drehende Nachrichtenzeitschrift Profil bedient sich dieses Musters. Herausgeber Dr. Christian Rainer meinte bezüglich des letzten journalistischen TV-Geschäftsführers in Österreich, Tillmann Fuchs (vor ATV Ex-Stellvertreter von Hans Mahr in der RTL-Informationsredaktion), nachdem sein Blatt mit einem fragwürdigen Artikel zu mobben begonnen und damit maßgeblich zu dessen Letting-Falling-Down beigetragen hatte: "Als Geschäftsführer ist Fuchs vor allem oberster Werbezeitenvermarkter. Selbst bei Minireichweiten sollte bei richtiger Vernetzung in Österreich etwas möglich sein. ... Ich persönlich mag Tillmann Fuchs gerne. Nicht nur, weil ich finde, dass ein gewisses Maß an Eitelkeit notwendig ist, um so ein Projekt voranzutreiben. Siehe Profil.")! - So viel zum Geheimnis, wie sich Leute selbst (dis)qualifizieren, oder wie ein Mord gesellschaftsfähig wird, oder, wie man jemanden "mag" und ihn gleichzeitig umbringt. - Doch auf wundersame Weise kommen sich über jene allseits goutierten Sitten Medien- und Musikpraxis in Österreich immer näher - ach, wie romantisch!


Wo gibt´s den narrativen Kritizismus noch? - In den Arrangements des früher androgynen Hinterfragers Thomas Rabitsch (Foto © privat) dominiert rhythmisches Formatdenken, Peter Paul Skrepeks (Foto © Elfi Oberhuber) leben innerhalb sich selbst. - Färbt Lebensführung auf den Kompositionsstil ab?

VOM WERBE- ZUM MEDIEN- ZUM MUSIKNETZ - WER DRINNEN IST, HAT´S GUT

Mit dem gefallenen Wort "Netz" gelangen wir allerdings jetzt zur länderspezifischen "Schweigespirale", die bestimmt, was und wer aufgefangen bzw. abgeschmettert wird. Und beim internationalen Netzwerk Sony BMG, das die Vermarktung von Falco Symphonic betreibt, wird man zugeben müssen: Wenn Falco Symphonic als echtes Kunststück bezeichnet werden kann, so ist es das Marketing schon lange. Unheimlicherweise schwirrt dabei - in diversen Zeitungen und auf Falco-Events - ein Mann umher, dessen Name bereits gefallen ist: Nanu, da ist er schon wieder? - Der "unechte Wegbegleiter", Hans Mahr.
- Kein Medium, in dem Falco nicht vertreten ist, und zwar nicht nur in einer Nummer, sondern über mehrere Nummern hinweg. Manches Medium scheint sogar extra zum Falco-Anlaß gegründet, vielleicht handelt es sich dabei auch nur um eine Einzelnummer eines Anzeigenkeilers, der damit das Minus seines Kontos ausgleichen will ...- Ansonsten: Coverstories in sämtlichen News-Verlag-Medien, Coverstories in sämtlichen Styria-Magazinen, Coverstories in Dichands Kronenzeitung, ein aufwändiges Hintergrundporträt in der deutschen Welt am Sonntag, wo zufällig ein Journalist auf Markus Spiegel, zwei Friseure mit Falco-Konnex und - ja, wen haben wir denn da? - auf Hans Mahr trifft (der den Journalisten höchst wahrscheinlich auch eingeladen hat!). - Selbstverständlich folgt nach der Story dann in der nächsten Ausgabe meist eine entsprechende Anzeige... d.h., der Vermarkter läßt sich die Vermarktung auch etwas kosten. Falco Symphonic auf DVD oder CD, jeweils um geschenkte 9,99 € bei Saturn, (bei Libro kostet es 14 €), wobei der Elektronikkonzern auch noch eine Eigenwerbung mit einem animierten Falco auftrumpft...

Dieses funktionierende, dicht ausgebreitete Werbenetz kann wahrscheinlich nur jemand wie Mahr geknüpft haben, weil kaum ein anderer zu so vielen Konkurrenzmedien und -firmen einen "guten Kontakt" hegt: Schließlich war der mediale Tausendsassa nicht nur einmal Falco-, sondern er ist heute (wieder) selbständiger Bertelsmann-Vorstandsmitglied-Gerhard-Zeiler-Berater. Und als Ex-Journalist und -Manager spannt er bis heute Beziehungen zur Dichand-Familie, zur RTL-Gruppe, zu weiteren österreichischen TV-Managern, und über Gerhard Zeiler und RTL, sprich Bertelsmann, eben auch zu bzw. "für" Sony BMG, das zu 50% Bertelsmann gehört. Damit löst sich das Rätsel um die Person Mahr, und das harmoniert wiederum in Promotionhinsicht dekadent und rund bestens mit Falcos Zehnern: alles potenziert sich zur Werbe-Runde.















... Denn Peter Paul Skrepek (Foto © Elfi Oberhuber) ist auch als Elektrogitarrist ein sehr individueller Denker und Erzähler: er spielt Rock verhalten und zärtlich, sodass etwa aus Nachflug oder Junge Römer tatsächlich erotische Liebesgeschichten werden ...


RAUSVERKAUF VON SCHROTT ODER GROSSER KUNST - ALLES DASSELBE?

Der Irrwitz ist leider nur, dass alles zu stark Vermarktete sogleich der muffige Dunstkreis von Billigkommerz umgibt; selbst wenn das nur eine Empfindung ist, genährt durch die Konsumentenerfahrung, nur "Schrott" müsse mit dem letzten Läuten rausverkauft werden. Hinzu kommt, dass an Wert der Besonderheit verliert, was jeder günstig erstehen kann. Da mag der Reflektierer aufgrund der Umstände noch so zugestehen, dass nur diese Art von Verkauf in Ansätzen hereinbringt, was der immense Aufwand zur Realisierung des Werkdoubles "DVD und CD" verschlungen hat; Das Auswägen zwischen kommerzieller Anbiederung und authentischer Exklusivität hört bei dieser Produktion einfach nie auf. Aber auch das resultiert im Paradoxon, das als Spagat wiederum die Kunstfigur Falco ausmacht. Zu hören ist das in den späteren Nummern, die nicht mehr Falco allein bzw. er zusammen mit österreichischen Komponisten schrieb, sondern musikkompositorisch die niederländischen Gebrüder Bolland dominieren.

Dass nun Thomas Rabitsch ausgerechnet jene Bolland-Nummern arrangierte, sprich The Sound Of Musik, Les Nouveaux Riches, Jeanny, Coming Home, Titanic (Text von Falco allein), Vienna Calling sowie Rock Me Amadeus (zusammen mit Peter Paul Skrepek sehr gelungen), mag ein Indiz für sein tiefstes Bekenntnis zur lautstarken und klaren Eindimensionalität, sprich, zum prinzipiellen Musikformat sein, das er als effizienter Arrangeur mit abwechselnd wiederholenden Passagen durchzieht. - Thomas Rabitsch verkörpert die unterhaltende Dynamik dieser Songs, die die typische, körperlich-getriebene Disco-Generation der 80-er repräsentiert, wie kein anderer der mitwirkenden Musiker. Das fällt in der CD umso stärker auf, wenn das Bild vom Ton nicht ablenkt. Die Abfolge des immer gleich lauten Tonpegels wird in der sechsten Nummer sogar als unangenehm empfunden, obwohl das Lied Les Nouveaux Riches an sich eine vielseitige Komposition mit inhaltlicher Anspielung auf Strawinskys Geschichte vom Soldaten (der Neureichen) ist, wo der Kriegsheimkehrer seine Seele an den Teufel (an die Mode, ans Geld) verkauft. - Dieser "Discolärm" wird heute insbesondere von der Jugend abgelehnt, die wieder die Singer-Songwriter-Mentalität bevorzugt.


... während es der körperliche Thomas Rabitsch gerne lautstark mag. - Der typische Stil der 80-er Disco-Generation. (Fotos © privat, www.conny.at) Heute harmoniert das immerhin noch mit den tonangebenden, werbeorientierten Medien. Ein finanzielles Glück für Thomas Rabitsch!

VON DER RETTUNG DER RABITSCH-RHYTHMIK DURCH ELOQUENTE SKREPEK-ARRANGEMENTS

Glücklicherweise treffen den Singer-Songwriter-Stil aber die vom inhaltlichen Text heraus erarbeitenden eloquenten, laut-leise, lyrisch-symphonisch atmenden Musik-Arrangements von Peter Paul Skrepek, der auch - wie erwähnt - als Solo-Gitarrist "elektronisch" außergewöhnlich fein-romantisch, und selten leidenschaftlich-hardrockig auftritt. - Seine Art, Dance Mephisto (Music: Bolland), Junge Römer und Helden Von Heute (Musik: Robert Ponger), Nachtflug (Musik: Harald Kloser) bzw. Ganz Wien (Text & Musik: Falco) zu arrangieren, mag auch an den an-sich weit textbetonteren Kompositionen liegen. Doch ebenso seine Gitarrensoli retten DVD und CD vor dem ausschließlichen Lärmbrei, der nur auf Rhythmus basiert. Das ist eine wahre Erleichterung innerhalb der Liedfolge. (- Wobei Thomas Rabitsch mit seinem DVD-Fantasyfilm angehauchten Intro mit Flöten, Bläsern, Geigen und Chorgesang aber beweist, dass er prinzipiell "aufbauende - und Ent-Spannung" erzeugen kann). Da schon Falco, selbst bei den Tanznummern, stets Geschichten erzählte, wird erst diese musikalische Erzählweise seiner Künstlerpersönlichkeit gerecht. Gleichzeitig wertet es DVD und CD als künstlerisch ernst zu nehmend auf.

Das muss besonders auf der CD sein, um den Hammer einer ziemlich geschmacklosen Disco-Interpretation (allerdings dafür für Gymnastik sehr gut geeignet!!!) von Der Kommissar (an sich großartige Komposition von Robert Ponger) im Boney-M-Gehüpfe-Bontempi-Orgel-Takt wieder gut zu machen (mitverbrochen von Co-Produzent David Bronner; eine echte Schande, denn dieser intellektuelle Rap von einer Kriminellenanekdote erinnert im Stil doch sehr an Der G´schupfte Ferdl von Vater Gerhard Bronner). Hingegen mit abwechslungsreichem Klang sehr gelungen ist Die Königin von Eschnapur dank origineller, orientalischer Sitar-Gitarre (gespielt von Skrepek) und feiner Keyboard-Details (Thomas Rabitsch), sowie einigermaßen gut das ruhigere und damit narrative Europa (beides Musik: Falco, Arrangements Rabitsch). - Diese drei Nummern gibt es nur auf der CD.

Was würde Falco (hier mit P.P. Skrepek und Bernhard Rabitsch, Foto © Thomas Laab) zur heutigen Musikwirtschaft sagen? Zu den "Neureichen" in Medien und Verlagen, die sich gegenseitig zu- und verschanzen? Zur Musikqualität, die in Castingshows heran gezüchtet wird?

DAS BESONDERE VON DVD UND CD UND VON FALCO SELBST

Das Außergewöhnliche an DVD und CD, das als Kunstereignis über jede arrangierende Herangehensweise hinaus wächst, ist aber natürlich die Restaurierung durch Neuaufnahme der Original-Band Falcos (von dem als "besten Schlagzeuger der Welt" bezeichneten Thomas Lang, Bertl Pistracher am Bass, Peter Paul Skrepek an der Gitarre, Thomas Rabitsch am Keyboard und Bernhard Rabitsch an Percussion und Trompete - mit einem tollen, wenn auch kurzen Solo in Vienna Calling!) sowie des 78-köpfigen, wiener-neustädtischen J.M. Hauer Konservatoriums unter Dirigat von Raoul Herget, das nach der Sezierung von Falcos Live-Stimme am Domplatz 1994, einschließlich wichtigem Falco-Fanclub-Gesang live-charakterlich neu aufgenommen und akustisch-und-spielend-verbessert in 5.1-Surround Kino-Qualität von Tontechnikkünstler Dietz Tinhof hinzugemischt wurde.
- Der, insbesondere in den Highlights Helden Von Heute, Nachtflug und Ganz Wien auf DVD und CD tatsächlich im Duo mit Falco oder solo gedämpft-lyrisch-hordrockig "wie ein Gott spielende" Skrepek, kokettiert im Rekonstruktions-Abspann der DVD zum Beispiel über seinen Part während des Konzerts: "Ich hab gespielt wie ein Gott beim Konzert. - Das war natürlich nicht so." Daran frech angehängt wurde aus anderem Zusammenhang: "Sogar dem Herrn Hölzel ist das Lachen gefroren." - Nun, das wurde auf jeden Fall nun ausgemerzt.
Damit die Ausbesserungen auch mit dem Bild harmonieren, drehte das Filmteam um Tom Hosa Close-Ups der Band-Solisten Skrepek und Rabitsch sowie der Violinen-Instrumentengruppen, die es dann mit den Originalaufnahmen überblendete. Den Stil des Konzertfilms macht am Ende eine videoclipartige Splitscreen-Aufteilung mit drei besseren und fünf amateurhaften Kameraperspektiven aus, die die unterschiedliche Bildqualität kaschiert. - Mit Erfolg, denn das optische Resultat erstrahlt modern und zeitgemäß auf insgesamt gutem Bildniveau.

"Ich glaube, es ist gut gelungen. Und meine Musikgeschichten eignen sich gut, um E und U zu verbinden, denn es sind viele klassische Zitate drinnen", sagt Falco im Nachspann. Um damit aber nicht nur Spekulierer und Nachahmer auf die E-U-Mixwelle zu hieven, sei beigefügt: Über alledem braucht es in erster Linie eine echte, charismatische und theatral-eigentümliche Persönlichkeit, die eine Musik transportieren kann. Dass das nicht so leicht ist, weil unsere Gesellschaft solche Persönlichkeiten offensichtlich verhindert, wenn nicht boykottiert, decken wir in der nachfolgenden Story über die Falco-Nacht im U4 mit österreichischen Newcomer-Sängern auf, die Falco-Hits interpretierten. Egal, ob sie damit nun für sich selbst werben wollten, oder auch für Falco, es scheint doch, als seien sie in erster Linie Mittel zur Aufrechterhaltung des Werbe-Hypes gewesen ...

Zur Nachfolgekritik über Falcos Originalband und ihr Konzert im U4 auf www.intimacy-art.com / CRITIC, click auf: Story: KUNST ODER KOMMERZ II,b: FALCOS "NACHFAHREN" IM U4 ZU DESSEN TODESTAG

Außerdem gibt es ein exklusives Gespräch über ihren Zugang zur Musik zwischen Gitarrist Peter Paul Skrepek und Schlagzeuger Thomas Lang auf www.intimacy-art.com / artists / talks / politics, click auf: Gespräch:
Thomas Lang zu Peter Paul Skrepek 1: „In England und den USA sind die Leute offener für fortschrittliche Musik“


DVD: Falco Symphonic * Falco und Orchester live in Wiener Neustadt 1994 * Von: Thomas Rabitsch (Produzent, Co-Arrangeur), Peter Paul Skrepek (Arrangeur) * Mit: Falco, Thomas Rabitsch, Peter Paul Skrepek, Bernhard Rabitsch, Bertl Pistracher, Thomas Lang * Mit: J.M. Hauer Conservatory Orchester * Dirigent: Raoul Herget * Video-Regie: Tom Hosa * Audio-Produktion: Dietz Tinhof und Dorothee Badent für TR Music : Production * + Falco liest Beat und Anderes * + Making Of der Rekonstruktion mit Inerviews * Rechte, Marketing und Vertrieb: Sony BMG Music Entertainment (Austria) GmbH

Für Teaser-Videolink click auf Youtube

CD: Falco Symphonic * Falco und Orchester live in Wiener Neustadt 1994 * Von: Thomas Rabitsch (Produzent, Co-Arrangeur), Peter Paul Skrepek (Arrangeur), David Bronner (Co-Arrangeur + Produzent von Der Kommissar * Mit: Falco, Thomas Rabitsch, Peter Paul Skrepek, Bernhard Rabitsch, Bertl Pistracher, Thomas Lang * Mit: J.M. Hauer Conservatory Orchester * Dirigent: Raoul Herget * Audio-Produktion: Dietz Tinhof und Dorothee Badent für TR Music : Production * Rechte, Marketing und Vertrieb: Sony BMG Music Entertainment (Austria) GmbH

KONZERT-TV-ÜBERTRAGUNG: Falco Symphonic * Ort: 3-Sat * Zeit: 1.3.2008: 13h15

1 comment:

Dietz Tinhof said...

Liebe Frau Oberhuber,

eine ausgesprochen spannende Betrachtung aus einer (fuer uns Musiker nicht ganz ungewohnten) medien- und marktkritischen Perspektive.

Ich bin auf Ihr Blog ueber eine zufaellige, wilde Link-Kette gestoßen und haette eigentlich wenig Grund, hier Kommentare abzugeben, doch glaube ich, als ein unmittelbarst in die besprochene "Falco Symphonic"-Produktion Involvierter ein paar freundlich-relativierende Worte verlieren zu duerfen.

Ich behaupte, dass Sie in die Entstehungsgeschichte von "Falco Symphonic" Dinge hinein-geheimnissen, die in dieser Form am Kern der Sache vorbeigehen. Was Sie als moeglichen Anlass, ein Projekt wie dieses auch nur anzudenken, voellig außer Acht lassen, ist der pure Spieltrieb, der Musikern mehr noch als anderen Menschen innewohnt. Die Grundidee war ein schlichtes "Schau' ma, ob des geht - und wenn's geht, schau' ma amal", resultierend aus einem Gedanken-experiment, nein, einem ziellosen Herumbloedeln eines Nachmittags im Studio.

Kommerzielle Aspekte waren ursaechlich nur insofern relevant, als Thomas Rabitsch die gesamte Produktion auf eigene Faust vorfinanziert hat - bevor auch nur ansatzweise klar war, dass es fuer eine Veroeffentlichung dieses untrendigen Werkes tatsaechliche Interessenten geben wuerde. Sein offen zugegebener, vorrangiger Wunsch war, "meine Arrangements von damals wenigstens einmal g'scheit hoeren zu koennen, wenn's scho' der Hans net g'hoert hat".

Viele der kuenstlerischen Details in den Arrangements, denen Sie erfreulicher Weise so viel Raum widmen, sind das Ergebnis einer viel mehr empirischen Annaeherung an ein moegliches Ergebnis, als die induktive Umsetzung eines "Master-Plans". Sie deuten in Ihrem Blog-Eintrag selbst an, dass eine Rekonstruktion eines Konzertereignisses in dieser Form noch nie zuvor auch nur Ansatzweise realisiert wurde - was in der Praxis heißt, dass die unmittelbar Beteiligten weit ueber die Grenzen der Selbstausnutzung hinaus an einem erst zu definierenden "Großen und Ganzen" arbeiteten.

... kurz gesagt glaube ich, dass Sie hier in einer - berechtigter Weise! - kritischen Vogelschau die tatsaechlichen Wege kuenstlerischer und umsetzungstechnischer Loesungsfindungen im wahrsten Sinn des Wortes ueber-sehen.

Ich behaupte, dass kein kommerzieller und/oder medialer Erfolg den tatsaechlichen Aufwand aufwiegt, der nur durch die großteils irrationale Hingabe an eine Idee, die bei uns schlicht "Falco Symphonic" geheißen hat, erklaert werden kann. Die Aufrechnung eines "lauten" Rabitsch gegen einen "lyrischen" Skrepek (die ich erfreulicher Weise beide zu meinen Freunden zaehlen darf) geht also am Kern der Sache vorbei, nicht zuletzt auf Grund der Tatsache, dass der "laute Laermbrei", den Sie konstatieren, seit bald sechzig Jahren Rock'n'Roll heißt. :-)

Damit bin ich auch schon am Ende ... besten Dank fuer den Platz fuer diese kleine Randbemerkung.

Mit den besten Grueßen,

/Dietmar "Dietz" Tinhof

PS: ... und vielen Dank auch fuer das Beiwort "Tontechnikkuenstler" zu meinem Namen, ich weiß das wirklich sehr zu schaetzen.